Startseite: IHK Aachen
Bildleiste Nachrichten

Go out! Studieren weltweit – die IHK und FH Aachen vermitteln

Sudenten

Die Bundesregierung und der Deutsche Akademische Auslandsdienst wollen mehr deutsche Schüler und Studierende zum Auslandsaufenthalt motivieren, vor allem in Regionen, die bisher nicht im Fokus lagen: Asien, Lateinamerika, Afrika.
Herr Drewes, als IHK-Hauptgeschäftsführer sind Sie in Kontakt mit Unternehmen aller Branchen. Wie interessant sind Mitarbeiter mit Auslandserfahrungen für Betriebe hier in der Region?

Jürgen Drewes: Das ist abzulesen an einigen Schlüsseldaten. Es ist oft die Rede vom „Exportmodell Deutschland“ – wobei dieses sprachliche Bild nicht ganz stimmig ist. Deutsche Firmen folgen nicht etwa einem abstrakten theoretischen Modell. Sie haben schlicht gute Gründe, sich auf fremden Märkten zu platzieren: Hier entdecken sie Nachfragepotenzial, Nischen, wenn der heimische Markt gesättigt ist, oder Chancen, um Produktivität, Umsatz und Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. In der deutschen Wirtschaft kommen die entscheidenden Wachstumsimpulse aus dem internationalen Geschäft. Das gilt auch für die Unternehmen in der Region Aachen. Die globale Wirtschaftskrise hat zwar die Auslandsaktivitäten vieler Unternehmen zunächst stark eingeschränkt. Doch inzwischen deutet sich an, dass sich eine beträchtliche Anzahl der Betriebe wieder erholt.
Knapp 60 Prozent der Unternehmen in Deutschland erzielen bis zu 60 Prozent des Gesamtumsatzes im Ausland. Noch höher ist der Prozentsatz in der Leitbranche Maschinenbau. Die Aktivitäten der Unternehmen schlüsseln sich so auf: 91 Prozent liefern Waren und Dienstleistungen an ausländische Kunden. Immerhin gut die Hälfte importiert nach Deutschland, und bemerkenswerte 40 Prozent sind weltweit im Einkauf von Vorprodukten und Leistungen unterwegs. Die bevorzugte Vertriebsform ist der Kooperationspartner oder Handelsvertreter mit 50 Prozent, gefolgt von Niederlassungen mit 27 Prozent sowie Vertriebsbüros mit 25 Prozent. Inzwischen betätigt sich mehr als jede zehnte Firma international im Bereich des E-Commerce. Diese Daten stammen aus der IHK-Umfrage „Going International.“

Wie wichtig sind Erfahrungen aus dem Ausland bereits vor dem Berufseintritt?

Drewes: Es ist ein Plus im Lebenslauf, das sofort auffällt und jeden Arbeitgeber neugierig macht. Denn damit zeigen Studierende, dass sie keine Mühe gescheut haben, organisatorisch, fachlich und emotional Zusätzliches zu leisten. Sie mussten bürokratische Hürden im Vorfeld überwinden, oft den Auslandsaufenthalt selbst finanzieren oder ein Stipendium aufgrund guter Leistungen erwerben und sich letztlich in einem fremden Gebiet neu orientieren.

Was sehen Unternehmer als konkreten Mehrwert: Ein Auslandsaufenthalt bedeutet ja auch Mehraufwand. Das kann das Studium verlängern. Was zählt am Ende?

Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen

Drewes: Ich erlebe, dass die Vorkenntnisse über fremde Märkte und Lebensgewohnheiten in den Betrieben sehr geschätzt werden. Einen hohen Wert haben Fremdsprachen, interkulturelle Fähigkeiten, die jeder erweitert, der im Ausland länger gelebt hat und mit anderen Verhaltenweisen gelernt hat, flexibel umzugehen. Nicht zu unterschätzen sind auch Kontakte, die man dort geknüpft hat.
Aus dem Außenhandelsgeschäft wissen wir: Je näher die Märkte liegen, desto intensiver sind die Kontakte. Das bestätigt sich auch für Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen. Denn neun von zehn Unternehmen aus NRW sind im Europäischen Wirtschaftsraum unterwegs. Jeweils die Hälfte sind in den neuen EU-Mitgliedstaaten (ab 2005) engagiert, nahezu ebenso viele im sonstigen Osteuropa, in Russland und den GUS-Staaten. Bei den entlegeneren Ländern hat Asien inzwischen die USA als Absatzmarkt überholt, Nah- und Mittelost liegt unverändert vor Lateinamerika.

Warum bietet gerade Aachen Studenten gute Möglichkeiten, solche internationalen Kontakte zu knüpfen?
 

Drewes: Ganz besonders liegt das an der Fachhochschule Aachen: Sie hat mehr als 160 schriftliche Kooperationsabkommen weltweit. Wir liegen hier in der Euregio Maas-Rhein in unmittelbarer Nähe zum belgischen und niederländischen Markt. Jeden zweiten Euro erwirtschaften unsere Unternehmen aus dem Kammerbezirk in Europa. Deshalb freut sich die regionale Wirtschaft auch sehr auf alle Studenten, die nach einem Auslandsaufenthalt wieder zurückkehren. Ihre erworbenen zusätzlichen Fähigkeiten werden hier – im Herzen Europas – stark gebraucht.

Weitere Informationen:

DIHK Going international 2009


16. Juni 2010 

Impressum