Das Kammermusikfestival AmadèO bildet den Startschuss für die Euriade-Festivals. Mit Unterstützung von Wirtschaft, Politik und der IHK Aachen werden namhafte Künstler aus aller Welt in die Region geholt. Denn Kunst rechnet sich - sehr gut sogar.
Die Bruttowertschöpfung von Kultur und Kreativwirtschaft liegt knapp hinter der Automobilindustrie und noch vor der Chemischen Industrie, wie Experten bestätigen: Bundesweit kamen 63 Milliarden Euro in diesem Bereich zusammen. In der Region liegt der Umsatz bei nahezu anderthalb Milliarden Euro. Dazu haben hier knapp 3000 Unternehmen beigetragen.
Wenn Silvia Hustedt Kultur und Wirtschaft in einem Atemzug nennt, ist meist von Aachens privater Kulturwirtschaft die Rede. Als Geschäftsführerin des Gründerzentrums Kulturwirtschaft berät Hustedt seit 2005 Kulturschaffende aus allen Sparten.
Mit 7,6 Prozent der Unternehmen, die zur Kulturwirtschaft gehören, liegt die Region Aachen knapp über dem Schnitt in NRW mit 7,2 Prozent. Der öffentliche Kultursektor schrumpft zwar – aber im Ausgleich dazu fördert die Politik der Stadt Aachen gezielt die private Kulturwirtschaft.
Das Konzept dazu entstand 2004 im Fachbereich Wirtschaftsförderung der Stadt Aachen, als das Land NRW in einem Wettbewerb aufforderte, Ideen zum Thema Strukturwandel durch Kulturwirtschaft zu entwickeln. Aachen gewann, und es wurde eine Vereinsstruktur gegründet, die durch die Vorsitzenden Dr. Manfred Sicking, CoDezernent, und Irit Tirtey, kaufmännische Leitung Kulturbetrieb, erstmals eine ressortübergreifende Zusammenarbeit sicherte. Das Gründerzentrum gilt heute landesweit als Vorreiter in Sachen Beratung für Kreative.
Rund 120 Ratsuchende kommen pro Jahr zu Silvia Hustedt. „Das sind sehr qualifizierte Leute, hauptsächlich Designer, Bildende Künstler und Musiker, die sich durch die klassischen Gründungsberatungsangebote nicht angesprochen fühlen“, erklärt die gelernte Ökonomin und Juristin. Für die Kulturschaffenden gehe es im Kern darum, sich mit unternehmerischen Kompetenzen auseinanderzusetzen und die Unternehmerrolle für sich anzunehmen. „Wir liefern keine Gründungsidee, sondern ermuntern unsere Klienten, die Vermarktung ihrer Kunst in die eigene Hand zu nehmen.“
Das Gründerzentrum ist aber nicht nur Beratungsinstitution, sondern hilft, Netzwerke von Kulturschaffenden sowie Kontakte zur Wirtschaft aufzubauen. „Kultur ist ein Innovationsmotor für die Wirtschaft“, so Hustedt. In Round-Table-Treffen mit Politikern, Wirtschaftsvertretern und Kulturschaffenden versucht sie, dafür ein Bewusstsein zu schaffen.
Das grenzüberschreitende „Creative-Ask-Force“-Projekt (CAF), für das die EU und das Land NRW gerade die Mittel bereitgestellt haben, soll helfen, Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Kooperationen zwischen Kulturschaffenden und Wirtschaft zu etablieren. Hustedt ist sicher: Wenn Kreative Technik anders nutzbar machen, erschließen sich neue Anwendungsfelder, neue Märkte, neue Berufsgruppen.
Die Veranstaltungen der Euriade finden Sie hier.
Hier finden Sie Informationen zum Gründerzentrum Kulturwirtschaft.
Künstler können sich für eine Existenzgründungsberatung auch an das Startercenter NRW bei der IHK Aachen wenden.